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Lab on Demand – Lernen auf Verlangen (Frühjahr 2021)

Im zweiten Jahr der Pandemie ersetzte ein mobiles Angebot die Frühjahrsstaffel des Schülerlabors. Erprobt wurde mit dem Lab on Demand eine Art „propädeutischer Lieferservice“ zu den aktuellen Abitur-Schwerpunkten im Leistungskurs Deutsch. Die angemeldeten Kurse erhielten analoge Lernpakete mit ausgewählten Texten und weiteren Medien und Materialien zur selbstständigen Erarbeitung übersandt. Die Ergebnisse der Vorbereitungsphase wurden dann einige Tage später in gemeinsamen Videokonferenzen ausgewertet, diskutiert und vertieft.


Nach der Natur? Gedichte aus dem Anthropozän (Frühjahr 2020)

Das mit der Moderne zunehmend fragwürdig gewordene Konzept "Natur" scheint im Anthropozän, wie Wissenschaftler die vom Menschen geprägte gegenwärtige Epoche der Erdgeschichte nennen, endgültig obsolet. Kann man in dieser Zeit Tiere und Pflanzen, Wetter und Landschaft noch in Oden, in Sonetten besingen? Oder erfordern Artensterben und Klimakrise neue, widerständigere Formen der Darstellung, um nicht in Gesinnungskitsch zu münden? Untersuchungsgrundlage war ein Korpus ausgewählter lyrischer Texte aus den vergangenen drei Jahrzehnten.

Die an das BBAW-Jahresthema 2019-2020 "Naturgemälde" anknüpfende Veranstaltungsreihe konnte infolge der COVID-19-Pandemie leider nicht realisiert werden.


 

 

Infrequently Asked Questions: Schülerlabor Geisteswissenschaften zum "Ithaca"-Kapitel in Joyce´ "Ulysses" (Herbst 2019)

In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin

Die erste an die Fächergruppe der modernen Fremdsprachen adressierte Reihe des Schülerlabors widmete sich dem 17. Kapitel dieses für seine "Schwierigkeit" berüchtigten Jahrhundertromans. Es ist verfasst in Form eines sog. Katechismus, als Abfolge von Fragen und Antworten, und dieses Formular wurde auch für die Arbeit im Workshop fruchtbar gemacht und heutigen Konventionen der didaktischen Kommunikation gegenübergestellt. Die Staffel wurde ergänzt durch eine Fortbildung für Lehrkräfte sowie eine Publikumsveranstaltung mit dem Nestor der europäischen Joyce-Forschung Fritz Senn.

Das Projekt wurde gefördert von der Irischen Botschaft.

Flyer (PDF, 2MB)

A Catechetical Interrogation. Fritz Senn im Gespräch mit Yvonne Pauly.


Um-/bruch: Schülerlabor Geisteswissenschaften zur politischen Kommunikation in Berlin 1848 (Herbst 2018)

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin

Flugschriften waren während der „Märzrevolution“ ein maßgebliches Medium der tagespolitischen Auseinandersetzung. Von fliegenden Händlern verteilt oder an Hauswänden und Zäunen angeheftet, prägten sie den urbanen Raum und ermöglichten eine eng getaktete öffentliche Kommunikation, die den Vergleich mit den sozialen Medien der Gegenwart provoziert. Neben der politischen Programmatik traten in der Arbeit mit diesen Dokumenten insbesondere deren spezifische mediale Eigenschaften, ihre Produktionsbedingungen, ihre Materialität und Ästhetik in den Blick - welchem Doppelakzent die Reihe auch ihren Titel verdankte.

Pressemitteilung der Stiftung Stadtmuseum Berlin

Fotos vom Workshop am 11. Dezember 2018 (PDF, 5MB)


 

"Form" und "Inhalt" der Dichtung. Schülerlabor Geisteswissenschaften über eine Deutungsfigur des Literaturunterrichts (Frühjahr 2018)

Auf die Frage nach ihren Routinen im Umgang mit lyrischen Texten hin beschreiben Berliner Schülerinnen und Schüler zumeist ein zweischrittiges Verfahren aus Formanalyse (Ermittlung von „Stilmitteln“) und Inhaltsanalyse. Das Schülerlabor ging den dichtungstheoretischen Prämissen dieses binären Modells der sog. Gehaltsästhetik bis in die Antike mit ihrer Engführung von Rhetorik und Poetik nach. Ihm gegenübergestellt wurden seit dem 18. Jahrhundert entwickelte Positionen, die Poetizität gerade an der Autonomie, der Entbindung der Sprache von außer ihr liegenden Darstellungsabsichten, festmachen. Das Projekt hatte das Anliegen, den philologischen "Takt" der Jugendlichen zu schulen, sie zu einem kritischen Umgang mit etablierten Verfahren der Textanalyse zu ermutigen und ihren Blick für moderne Konzepte von Dichtung zu öffnen.


 

Ore legar populi: Der Tod des Autors ist die Geburt des Lesers. Schülerlabor Geisteswissenschaften zum Ovid-Bimillennium (Herbst 2017)

Mit der Formel "ore legar populi" ("vom Mund des Volkes werde ich gelesen werden") hat Ovid seinem Werk Unvergänglichkeit prophezeit.
Anlässlich der 2000. Wiederholung seines Todesjahrs nahm die Herbststaffel des Schülerlabors Ovid beim Wort. Im Mittelpunkt stand der im Sprechen und Hören sich entfaltende, offene und fluide Text im Unterschied zur Schriftform, wie sie in der Regel im Schulunterricht begegnet. Die Teilnehmer liehen dem Dichter ihre Stimme und lösten seine Vorhersage auf diese Weise performativ ein.
Literaturtheoretisch wurde Ovid konfrontiert mit den Positionen des Poststrukturalismus und der Dekonstruktion, insbesondere ihrem Exponenten Roland Barthes, dessen Aufsatz "Der Tod des Autors" einen Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung von Texten angebahnt hat.

Plakat (PDF, 2MB)

Schlussperformance (YouTube)


"Wer er sagt, muss auch ...": Schülerlabor Geisteswissenschaften zu Sprache und Geschlecht (Frühjahr 2017)

Ist es möglich, eine Sprache zu entwickeln, welche die überkommene Dichotomie der Geschlechter hinter sich lässt? Aber auch: Ist eine solche Lösung erstrebenswert? Diese und daran anknüpfende Fragen waren Gegenstand der Veranstaltungsreihe, die im Rahmen des aktuellen Jahresthemas "Sprache" der Akademie stattfand. Ihr Ziel war es, die einschlägigen und im alltäglichen Gebrauch häufig miteinander verwechselten Begriffe Sexus, Genus und Gender zu entflechten und fachwissenschaftlich zu erkunden. Externe Kooperationspartnerin war die Linguistin Antje Baumann, die am Bundesminsterium der Justiz und für Verbraucherschutz in der Sprachberatung tätig ist.

 


"Behandeln Sie den Anfang so unnachsichtig wie möglich". Uwe Johnson als Erzähler. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Editionsphilologie (Herbst 2016)

In Zusammenarbeit mit der Uwe Johnson-Werkausgabe 

Uwe Johnson (1934-1984) schrieb für ein aufmerksames Publikum, er wünschte sich eine Schule, die neugierig macht und junge Menschen an eine aktive Lesehaltung heranführt. Die Workshopreihe setzte hier an und verschränkte die Annäherung an Johnsons komplexe Erzähltechnik mit einer Einführung in editionswissenschaftliche Fragestellungen und Methoden. Am Beispiel des berühmten Romananfangs der „Mutmassungen über Jakob“ (1959) wurde die Arbeit mit (faksimilierten) Archivalien, der Vergleich verschiedener Textzeugen und -stufen erprobt. Auf diese Weise vollzogen die Teilnehmer den aufwändigen Prozess nach, welcher der Publikation in Medien wie Schulbuch oder Reclam-Heft vorausgeht, in der Regel aber unbekannt bleibt. Ein Teil der Staffel fand erstmals an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Projektseite der Universität Rostock


 

"Alles aus 1 und 0": Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Geschichte des Binärsystems (Frühjahr 2016)

In Zusammenarbeit mit der Leibniz-Edition Berlin

Im Jubiläumsjahr von Gottfried Wilhelm Leibniz - der Geburtstag des Akademiegründers jährte sich 2016 zum 370., sein Todestag zum 300. Mal - nahm die Frühjahrsstaffel bei dem von ihm entwickelten Dualsystem ihren Anfang und zeichnete von dort den Werdegang eines Konzepts, das die Welt veränderte, bis in unsere Tage nach. Denn auch jenseits der Informationstechnik prägen binäre Muster unser Weltverständnis  und unsere Kultur; zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen von der Linguistik bis zur Biologie stützen sich auf zweiwertige Klassifikations- und Beschreibungsverfahren. Im Workshop wechselten praktische Übungen zum binären Rechnen und zur binären Logik, intelligente Spiele, Präsentationen, Arbeit mit Texten und Arbeit mit Hands-on-Objekten einander ab.


 

Textilien, Texturen. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Methodik der Gedichtinterpretation  (Herbst 2015)

Die Teilnehmer der Reihe hatten das Vergnügen, sich eines der eindrucksvollsten Gedichte Clemens Brentanos zu erschließen, das heute meist unter dem Titel „Der Spinnerin Lied“ firmiert, und zwar mit einem der üblichen Praxis des Deutschunterrichts gegenläufigen Verfahren: der Gedichtsynthese. Hierfür wurde ihnen eine Auswahl aus den Erträgen der einschlägigen literaturwissenschaftlichen Forschung zu Metrik, Reimschema, Strophenform etc. geboten, die eine Rekonstruktion des „Webmusters“ dieses Textes erlaubte. Anschließend wurde die zweisträngige Überlieferung des Gedichts im Rahmen eines Briefes und im Rahmen einer Erzählung untersucht. Dabei zeigte sich, dass neuere texttheoretische Positionen wie die sog. Intertextualität, die der Offenheit des literarischen Prozesses Rechnung tragen, für das Verständnis von Brentanos Poetik besonders fruchtbar sind.


 

Und Friede auf den Feldern? Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Debatte um die Grüne Gentechnologie. (Frühjahr 2015)

In Zusammenarbeit mit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht

Ergänzend zum schulischen Biologieunterricht nahm die Veranstaltungsreihe den strittigen Gegenstand aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive in den Blick. Dabei konnten sich die Schülerinnen und Schüler anhand eines exemplarischen Textcorpus in Gruppen mit der indikatorenbasierten Arbeitsweise des Projekts vertraut machen. Nach einem Überblick über die neuesten biotechnologischen Verfahren standen u.a. Fragen der gesetzlichen Regelung, die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Organismen und Probleme der Meinungsforschung und -steuerung auf dem Programm.


 

Berlin Europaplatz. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Erkundung des öffentlichen Raums  (Frühjahr 2014)

Im Rahmen des Jahresthemas der Akademie "Zukunftsort Europa" griff die Veranstaltungsreihe eine Idee des französischen Autors Georges Perec aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf und unternahm den "Versuch, einen Platz in Berlin zu erfassen": mit den Mitteln der Kunst und mit den Mitteln der Wissenschaft. An sechs Tagen zwischen Mai und Juli 2014 führten Leistungskurse unterschiedlicher Schulen und Unterrichtsfächer auf dem nördlichen Vorplatz des Berliner Hauptbahnhofs Performances und Recherchen zur Geologie, zur Topographie, zur Botanik und zur Geschichte dieser "8400 Quadratmeter Deutschland" durch. Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Zusammenhang "Recht und Raum", der anschließend in propädeutischen Planspielen u.a. zum Straßen-, zum Planungs-, zum Datenschutz- und zum Verfassungsrecht vertieft wurde.

Website zum Projekt


Schreib-Leben. Einladung in Jean Pauls Textwerkstatt (Herbst 2013)

Begleitprogramm zur Ausstellung „Dintenuniversum“  

Anlässlich des 250. Geburtstages  des  Dichters  realisierten die Akademie und die Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz in Kooperation mit der Stiftung „Brandenburger Tor“ die Ausstellung „Jean Paul: Dintenuniversum. Schreiben ist Wirklichkeit“, die vom 12. Oktober bis zum 29. Dezember im Max Liebermann Haus am Pariser Platz gezeigt wurde. Die Veranstaltungsreihe knüpfte hieran an. Im Mittelpunkt stand Jean Pauls spezifischer Schreibprozess, die Verfertigung von Texten aus Texten, die anhand seines umfangreichen Nachlasses so genau rekonstruiert werden kann wie bei kaum einem anderen Autor dieser Zeit.

Die Staffel  wurde gefördert von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Flyer (3 MB)


 

Film plus Musik minus Film: Arnold Schönberg und die Lichtspiel-Begleitung der 1920er Jahre.  Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Musikwissenschaft  (Frühjahr 2013)

In Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Berlin, der Universität der Künste Berlin  sowie den Editionsvorhaben Arnold Schönberg – Sämtliche Werke  und Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe  der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

Wie verändert sich die Wahrnehmung bewegter Bilder, wenn sie mit Tönen unterlegt wird? Diese Frage stand im Mittelpunkt der ersten musikwissenschaftlich ausgerichteten Veranstaltungsreihe des Schülerlabors Geisteswissenschaften. Das Spektrum reichte von den frühesten Filmen der Brüder Lumière bis zur „Begleitungsmusik für eine Lichtspielszene“ (1929/30) von Arnold Schönberg, die freilich nicht mehr funktional, sondern als autonomes Kunstwerk verstanden werden will. Auf die Begleitung von Stummfilmen spezialisierte Pianisten waren dabei, um die von den Schülerinnen und Schülern entwickelten Vorschläge ad hoc umzusetzen.


 

Wachstum. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Wirtschaftstheorie (Herbst 2012)

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

"Wachstum" ist eines der Schlagwörter der aktuellen politischen Diskussion. Das Schülerlabor Geisteswissenschaften hat sich daher im Rahmen der Herbststaffel 2012 um eine (wirtschafts-)wissenschaftliche Erkundung des Begriffs bemüht: Seit wann gibt es diese Kategorie in der ökonomischen Forschung – und warum? Wie lässt sich Wachstum mathematisch beschreiben, wie lässt es sich messen? Weshalb muss im heutigen System die Wirtschaft immer weiter wachsen?  Was würde ohne Wachstum passieren? In Klassenraum-Experimenten gingen die Teilnehmer klassischen verhaltensökonomischen Dilemmata nach und wurden damit zugleich selbst Gegenstand empirischer Wirtschaftsforschung.

Die Veranstaltungsreihe wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 - Zukunftsprojekt Erde  gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Flyer (PDF, 2MB)


 

Bedeutungsgeflechte. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Text-Bild-Kommunikation im Mittelalter (Frühjahr 2012)

In Zusammenarbeit mit dem Corpus Vitrearum Medii Aevi und den Deutschen Texten des Mittelalters

Mit dem Eintreffen der seit dem 2.Weltkrieg verschollenen Bleiglasfelder von St. Marien in Frankfurt/Oder wurde im Juni 2002 erstmals die spektakuläre Rückführung sog. Beutekunst gefeiert. Die Veranstaltungsreihe knüpfte an diesen berühmt gewordenen „Fall“ an und vollzog die in den Folgejahren geleistete Rekonstruktion des Bildprogramms der Kirche mit den Schülerinnen und Schülern exemplarisch nach. Im Zentrum stand dabei das Phänomen der Typologie, ein Verweissystem, in dem Personen und Ereignisse aus dem Alten Testament zu Szenen aus dem Leben Jesu in Bezug gesetzt sind. Jenseits der Vermittlung theologischer und kunsthistorischer Kenntnisse im Einzelnen verfolgte dieses Schülerlabor das Ziel, die Sehgewohnheiten der Teilnehmer zu erschüttern und sie in eine uns fremd gewordene, auf Vergleichen und Analogien beruhende Wahrnehmungs- und Vorstellungswelt zu entführen.


 

Vermittelte Empfindungen. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Kunstbetrachtung Heinrich von Kleists (Herbst 2011)

Anlässlich Heinrich von Kleists 200. Todestag widmete sich die Herbststaffel des Schülerlabors 2011 diesem etwas anderen Klassiker der deutschen Literatur. Am Beispiel des berühmt gewordenen Aufsatzes „Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft“, der wiederum auf einen längeren Beitrag von Clemens Brentano und Achim von Arnim zurückgeht, wurde die romantische Natur- und Raumwahrnehmung sowie das Wesen literarischer Autorschaft untersucht. An die Seite der philologischen trat gleichberechtigt die kunstwissenschaftliche Analyse des Referenzwerkes von Kleists Text, des heute „Mönch am Meer“ genannten Gemäldes von Caspar David Friedrich: In welcher Tradition steht es? Wie ist die gewaltige Wirkung des Bildes zu erklären, das unter seinen Zeitgenossen einen Skandal auslöste? Externer Kooperationspartner des Projekts war der Berliner Kunsthistoriker Matthias Hahn.


 

Den teuren Toten. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur lateinischen Epigraphik (Frühjahr 2011)

In Zusammenarbeit mit dem Corpus Inscriptionum Latinarum 

Die Staffel widmete sich mit Grabinschriften einer der prominentesten Klassen epigraphischer Zeugnisse. Schülerinnen und Schüler des Faches Latein waren eingeladen zur Entdeckung dieser faszinierenden Texte, die Ausdruck antiker Jenseitsvorstellungen sind, aber auch eine vergangene Lebenskultur offenbaren. Menschen und Werdegänge, Persönlichkeiten und Schicksale treten daraus oft mit großer Eindringlichkeit hervor. Exemplarisch, am konkreten Objekt, erhielten die Teilnehmer eine Einführung in das epigraphische „Handwerk“: von der Autopsie des Inschriftenträgers über die Dokumentation des Befundes durch Handzeichnung oder Papierabklatsch bis zur Erstellung der sog. Schede, einer Rohfassung der textkritischen Edition. Dabei wurde deutlich, dass es sich bei der Epigraphik um ein interdisziplinäres Forschungsfeld par excellence handelt, das auf die historische Topographie ebenso angewiesen ist wie auf die Sprachwissenschaft und die Paläographie.


 

Wissenschaft in Verben. Begleitprogramm des Schülerlabors Geisteswissenschaften zur Ausstellung „WeltWissen“ (Herbst 2010)

Im Rahmen des Berliner Wissenschaftsjahres bot das „Schülerlabor Geisteswissenschaften“ 2010 eine Veranstaltungsreihe zur zentralen Jubiläumsausstellung „WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin“ im Martin-Gropius-Bau an. Die Themenstaffeln nahmen auf Räume im zweiten Teil der Ausstellung Bezug, die mit wissenschaftlichen Tätigkeiten in Verbform überschrieben waren: „Experimentieren“, „Rechnen“, „Interpretieren“, „Visualisieren“ sowie „Sammeln und Reisen“. Das Programm, das daher den Gesamttitel „Wissenschaft in Verben“ trug, war wissenschaftsgeschichtlich bzw. –theoretisch ausgerichtet. Es öffnete den Blick für grundsätzliche Probleme und Fragestellungen einzelner Disziplinen wie auch von „Wissenschaft“ überhaupt: Wie haben sich wissenschaftliche Konzepte (z.B. Gattung und Art) und Methoden der Forschung (z.B. das Experiment) entwickelt? Angesprochen waren neben geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Leistungskursen erstmals auch solche musischer wie auch naturwissenschaftlicher Disziplinen und damit nahezu aller Fächer des schulischen Kanons. Die Leitung der fünf Workshop-Staffeln lag in den Händen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Akademie sowie aus dem Kreis der weiteren Ausstellungsveranstalter.

Die Durchführung des Projekts wurde ermöglicht durch die Förderung der Schering Stiftung.

Flyer (PDF, 2MB)


 

„… dies allein heißt weiterleben“. Schülerlabor Geisteswissenschaften zu Rahel Varnhagen (Frühjahr 2010) 

In Zusammenarbeit mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

Wer war Rahel Levin alias Rahel Robert alias Antonie Friederike Varnhagen von Ense (1771-1833)? Welche Gegebenheiten prägten ihr Leben? Was macht ihren Rang als Gesellschaftskünstlerin und Literatin aus? Fragen wie diesen gingen die Teilnehmer des Workshops anhand von Originalquellen nach. Im Falle Rahels ist mit der sog. Sammlung Varnhagen ein umfangreiches Corpus überliefert, das neben Briefen auch Bücher sowie Erinnerungsgegenstände und Zeugnisse des Alltags enthält. Teilbestände befinden sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. In Kooperation mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek und mit Unterstützung des Akademienvorhabens Berliner Klassik sowie der Varnhagen Gesellschaft  konnte der Zugang zu diesen Schätzen eröffnet und eine Einführung in den wissenschaftlichen Umgang mit Autographen angeboten werden. Die Durchführung der Schülerlabor-Staffel zu Rahel Varnhagen wurde gefördert im Leo Baeck Programm. 


 

"Sie wissen das nicht, aber sie thun es". Schülerlabor Geisteswissenschaften zu Karl Marx: Das Kapital (Herbst 2009)

In Zusammenarbeit mit der Marx-Engels-Gesamtausgabe

Die Teilnehmer begaben sich in dieser Staffel auf das Abenteuer der Originallektüre dieses anspruchsvollen Textes. Im Mittelpunkt stand die eingehende und behutsame Annäherung an den Marxschen Wortlaut selbst. Jenseits der medialen Befragung des „Kapital“ auf unmittelbare „Handlungsanweisungen“ in Zeiten der Krise arbeitete das Schülerlabor das kritisch-analytische Potential des Werkes heraus. Neben diesem inhaltlichen verfolgte es ein wissenschaftsmethodisches Interesse. Exemplarisch untersuchten die Schülerinnen und Schüler den komplexen Entstehungsprozess des Werkes und machten sich mit philologischen Methoden wie Handschriftentranskription und Kommentierung vertraut. Darüber hinaus nahm die Veranstaltung auf die reiche, ästhetische Wirkungsgeschichte des „Kapital“, v. a. Projekte filmischer Umsetzung von Sergej Eisenstein (1927) bis Alexander Kluge (2008), Bezug.


 

Wer ist Walther - und wenn ja: wie viele? Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Überlieferung deutscher Literatur des Mittelalters (Frühjahr 2009)

In Zusammenarbeit mit den Deutschen Texten des Mittelalters

Am Beispiel eines „klassischen“ Liedes des frühen 13. Jahrhunderts erhielten die Schülerinnen und Schüler eine Einführung in die Überlieferung der älteren deutschen Literatur – und die Herausforderungen, vor die sie den heutigen Leser stellt. Sie lernten einige der großen Prachtcodices kennen, verglichen verschiedene Textzeugen miteinander und erstellten schließlich ihre eigene „kritische“ Edition des Gedichts. Indem sie das philologische „Handwerk“ in seinen verschiedenen Arbeitsschritten nachvollziehbar machte, verfolgte die Veranstaltung das Ziel, das Methodenbewusstsein der Teilnehmer zu schärfen und sie für den Konstruktcharakter von Texten zu sensibilisieren. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete der Dichter Walther von der Vogelweide (1170–1230), der insbesondere als Vollender des Minnesangs vorgestellt wurde. Voraussetzung zum Verständnis dieser Gattung als „Repräsentationskunst“ ist die Berücksichtigung ihres höfischen Entstehungs- und Aufführungsrahmens. Die Lektüre eines Minneliedes wurde im Schülerlabor daher mit der Rekonstruktion von  Walthers Werdegang als fahrender Sänger und Exkursen zur sozialen und politischen Lage im damaligen deutschen Reich verschränkt.


 

„Gott weiß es am besten“? Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Hermeneutik des Korans (Frühjahr und Herbst 2008)

In Zusammenarbeit mit dem Corpus Coranicum

Eine besondere Herausforderung dieser Workshop-Reihe war es, den intertextuellen Ansatz des Corpus Coranicum zu vermitteln und den Koran auch für Jugendliche ohne religionshistorisches Vorwissen in seiner impliziten Dialogstruktur, als Entgegnung auf die unter den Zuhörern Mohammeds kursierenden religiösen Botschaften jüdisch-christlichen Ursprungs lesbar zu machen. Gezeigt wurde ferner, was Hermeneutik zur Versachlichung der Diskussion um diesen umstrittenen Text beitragen kann. Dass ein Dokument wie der Koran legitimer Gegenstand historisch-kritischer Forschung ist, ohne dass dies Pietät, Achtung vor den religiösen Überzeugungen der Gläubigen ausschließt: diese Einsicht bildete für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen wesentlichen Ertrag der Veranstaltung.


 

Von Philologen und anderen Heilkundigen. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur antiken Medizin (Herbst 2007)

In Zusammenarbeit mit dem Corpus Medicorum Graecorum / Latinorum

Diese Staffel drehte sich um einen der großen Texte der abendländischen Überlieferung, der die Ethik ärztlichen Handelns bis heute prägt: den sog. Hippokratischen Eid. Trotz seiner umfangreichen Rezeptionsgeschichte gibt dieser der Forschung nach wie vor Rätsel auf. Umstritten sind u. a. Autorschaft, Geltungsbereich und Datierung sowie die kulturhistorische Einordnung und Deutung weiter Passagen. Einige dieser Fragestellungen griff das Schülerlabor auf. Die Teilnehmer erhielten eine Einführung in die antike Medizin und – anhand konkreter Übungen – einen Einblick in grundlegende philologische Aufgabenbereiche wie Textkritik, Übersetzung und Kommentierung.


 

Die Wörter. Schülerlabor Geisteswissenschaften zur Lexikographie (Frühjahr 2007)

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Im Mittelpunkt dieses Workshops stand die eigenständige Erstellung eines Artikels für das „Deutsche Wörterbuch“, dessen Neubearbeitung sich zu diesem Zeitpunkt auf die „B-Strecke“ konzentrierte. Entsprechend bekamen die Teilnehmer einige Dutzend historische Belege zu Stichworten wie „baggern“ vorgelegt, anhand derer sie die wesentlichen Bedeutungsgruppen dieser Wörter ermitteln sollten. „Baggern“ beispielsweise meint zunächst „(Erdreich) ausheben“, „etwas von unten nach oben befördern“, findet dann aber u.a. auch zur Bezeichnung der – zwischengeschlechtlichen – Kontaktaufnahme Verwendung. Wie aber hängen die beiden Bedeutungen zusammen? Auf welchem Weg wurde die übertragene aus der Grundbedeutung abgeleitet? Auf Fragen wie diese wissen auch die germanistischen Profis, die Redakteure des Wörterbuchs, nicht immer eindeutige Antworten. Dass stattdessen mehrere plausible Lösungen diskutiert werden können, macht aber, so die Erfahrung der Schülerinnen und Schüler, gerade den besonderen Reiz der Wörterbucharbeit aus.


 

„Aufmerksamkeit aufs Kleinscheinende“. Schülerlabor Geisteswissenschaften zu Karl Philipp Moritz (Frühjahr 2006 und Frühjahr 2008)

In Zusammenarbeit mit der Kritischen Karl-Philipp-Moritz-Ausgabe

Anlässlich des 250. Geburtstages des Schriftstellers Karl Philipp Moritz (1756-1793) wurde im Rahmen eines Projekts mit dem Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster die erste Staffel des „Schülerlabors Geisteswissenschaften“ entwickelt. Moritz war in jungen Jahren Lehrer am Grauen Kloster und später Mitglied der Akademie so dass sich eine Kooperation beider Institutionen zu seinem Gedenken ergab. Der Workshop widmete sich insbesondere Moritz´ Wirken als Pädagoge, Psychologe und Autobiograph. Anhand des Textes „Erinnerungen aus den frühesten Jahren der Kindheit“ erhielten die Teilnehmer einen Einblick in Methoden der biographischen Recherche und der Anfertigung eines literaturwissenschaftlichen Kommentars.
Zum Pilotprojekt des „Schülerlabors Geisteswissenschaften“ ist im Isensee-Verlag  ein Dokumentarband erschienen: Karl Philipp Moritz an der Schule. Ein Projekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, hrsg. von Yvonne Pauly. Oldenburg 2006, 100 Seiten.