Vorlesung der Technikwissenschaftlichen Klasse
Die Vorlesungsreihe beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen und Fragestellungen der Technikwissenschaften. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe an Berliner Schulen. Ziel der Veranstaltung ist es, für die technikwissenschaftliche Forschung zu begeistern.
Experten und Expertinnen veranschaulichen in kurzen Beiträgen innovative Technologien und stellen sich im Anschluss den Fragen der Schülerinnen und Schüler. In der Diskussion sollen vor allem auch gesellschaftliche Dimensionen der Technikforschungen zur Debatte stehen. Risiken und Chancen technischer Innovationen kommen so gleichermaßen zur Sprache.
Vorlesung der Technikwissenschaftlichen Klasse 2026
»Das kann ich leider nicht beantworten.« Wie wir Künstlicher Intelligenz Werte beibringen – und wer entscheidet, welche?
Donnerstag, 26.11.2026, 18:00 Uhr, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Einstein-Saal
Anmeldung bis zum 19.11.2026 unter: nicoletta.cuomo(at)bbaw.de
Wenn ein Chatbot auf die Frage »Wie baue ich eine Bombe?« antwortet, dass er das nicht beantworten könne, funktioniert eine Technik, an der weltweit tausende Forscherinnen und Forscher arbeiten: das sogenannte Alignment. Damit ist die Ausrichtung von KI-Systemen an menschlichen Absichten und Werten gemeint. Sie geschieht auf drei technischen Ebenen – durch Filterung der Trainingsdaten, durch Nachtrainieren mit menschlichem Feedback und durch Kontrollmechanismen, die erst zur Laufzeit greifen, etwa Systemprompts und Klassifikatoren. Genau dieselben Methoden liefern aber auch die Antwort »Das kann ich leider nicht beantworten« auf die Frage, was 1989 auf dem Tian'anmen-Platz geschah. Denn die Technik ist zweckneutral: Sie sorgt dafür, dass ein Modell bestimmte Inhalte zurückhält – aber nichts in ihr legt fest, welche. Wer die Werte einsetzen darf, entscheidet, ob ein System der Sicherheit dient oder der Unterdrückung. Eingriffe dieser Art sind vielfältig dokumentiert, von staatlich vorgeschriebenen Verweigerungsdatensätzen bis zu politisch motivierten Eingriffen einzelner Anbieter. Zensur kann sich also unbemerkt ausbreiten, manchmal auch einfach, weil sie mit bereits gefilterten Daten trainiert wurden.
Der Vortrag erklärt zunächst verständlich, wie moderne Sprachmodelle überhaupt lernen, sich zu verhalten, und wie viel technischer Aufwand hinter jeder der drei Eingriffsebenen steckt – und wie wenig hinter der leichtesten von ihnen. Anschließend geht es um die gesellschaftliche Dimension: Ein wachsender Teil der Bevölkerung nutzt KI regelmäßig als Informationsquelle, weltweit gibt es weniger als zehn Anbieter großer Basismodelle, und die Freiheit im Internet geht seit fünfzehn Jahren zurück. Zum Schluss stehen mögliche Antworten zur Diskussion: überprüfbares Alignment durch unabhängige Tests, Vielfalt statt Monopol bei den Modellen, sowie die Frage, welche Verantwortung eigentlich diejenigen tragen, die diese Werkzeuge bauen.
Vortrag
Frauke Kreuter
Akademiemitglied
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Statistik
Sarah Ball
Akademiemitglied
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Statistik
Moderation
Isabella Hermann
Stiftung Zukunft Berlin
Flyer: Vorlesung der Technikwissenschaftlichen Klasse 2026