Das Schülerlabor Geisteswissenschaften

Kurz vorgestellt

Das  Schülerlabor  Geisteswissenschaften ist  ein  Ort  der Begegnung.  Die  Akademie  gibt   jungen   Menschen   dort   die   Gelegenheit,  sich  die  faszinierende  Welt  der  modernen  Geisteswissenschaften  zu  erschließen,  und  zwar  –  die  Bezeichnung  „Labor“  verrät  es  bereits  –  auf  dem  Weg  der  Praxis,  durch  eigenes  Forschen  und  Erproben.  Für  einige Stunden  kommen  sie  gemeinsam  mit  ihren  Lehrkräften in  unser Hauptgebäude am Gendarmenmarkt,  wo  ihnen  vielfältige  Schätze  in  Gestalt  von  Sammlungen,  Archiven  und  Spezialbibliotheken  zur  Verfügung  stehen,  und  lernen  die  Arbeit  eines  Historikers  oder einer Literaturwissenschaftlerin kennen. Begleitet und unterstützt  werden  sie  dabei  von  aktiven  Forscherinnen  und Forschern. Dies stellt nicht nur die Wahrung fachlicher Standards sicher, sondern schafft auch Gelegenheit für persönliche  Kontakte,  die  für  die  Entwicklung  wissenschaftlichen Interesses oft von ausschlaggebender Bedeutung sind.

Aktuell

„Verteufelt human“ oder: Wie inszeniert man einen Klassiker?

Goethes Iphigenie unter Ifflands Direktion

Bekanntlich hat Goethe sein Schauspiel Iphigenie auf Tauris in der Rückschau als „verteufelt human“ bezeichnet (in einem Brief an Schiller vom 19. Januar 1802). Und wie auch immer man diese vieldeutige Äußerung auffasst: Abzulesen ist ihr das Moment einer Irritation, dem Autor selbst scheint der Begriff der „Humanität“ bereits fragwürdig geworden. Im selben Jahr wird das Drama erstmals am Königlichen Nationaltheater am Berliner Gendarmenmarkt aufgeführt, mit August Wilhelm Iffland, dem bedeutendsten Bühnendarsteller dieser Zeit, in der Rolle des Thoas; an seiner Seite das, was man heute ein „Staraufgebot“ nennen würde.

220 Jahre später ist das Humanitäts-Konzept der Klassik vollends erodiert und das bereits von den Zeitgenossen als spröde empfundene Stück ein schwer zugänglicher Gegenstand für den Deutschunterricht. Abhilfe versprechen wir uns von dem Medium, das einst den Grund für Goethes eigene Theaterleidenschaft legte: dem Papiertheater.

Im Mikro-Modell erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich die wesentlichen Elemente einer Inszenierung zu erarbeiten: Erstellen einer Strich- bzw. Aufführungsfassung, Besetzung, Kostüme und Bühnenbild. Sie übernehmen damit die Aufgaben einer Dramaturgin oder eines Regisseurs und gewinnen einen ebenso analytischen wie schöpferischen Zugang zum Text. Ihre Lösungsvorschläge bilden dann die Folie für die historische Aufführung am Königlichen Nationaltheater, wie sie aus den Quellen zu rekonstruieren ist. Interner Kooperationspartner der Reihe ist das Projekt August Wilhelm Ifflands dramaturgisches und administratives Archiv, das den 2014 unter spektakulären Umständen wiederentdeckten Nachlass wissenschaftlich erschließt und in einer digitalen Edition zur Verfügung stellt.

Das Angebot richtet sich v.a. an Grundkurse des Faches Deutsch an Schulen in Berlin und Brandenburg. Voraussetzung für die Teilnahme ist die schulische Vorbereitung. Im Vorfeld der jeweiligen Veranstaltung stellen wir den angemeldeten Kursen Materialien zum Download zur Verfügung, mit deren Hilfe sie sich Iphigenie v.a. unter theaterpraktischen Gesichtspunkten erschließen und Inszenierungen entwerfen können, die ihre Sicht auf Goethes Text zum Ausdruck bringen.

Termine:

Dienstag, 01.03.

Donnerstag, 10.03.

Dienstag, 15.03.

Mittwoch, 23.03.

Dienstag, 05.04.

Mittwoch, 04.05.

Freitag, 06.05.   

Donnerstag, 12.05.

Montag, 16.05.

Mittwoch, 18.05.

Anmeldungen ab 10. Januar 2022 unter schuelerlabor@bbaw.de


Noch bis Januar:

Zurückgespult - Elektronische Musik von Bernd Alois Zimmermann zwischen Remix und Edition

Kooperationspartner der diesjährigen Herbststaffel ist die Bernd Alois Zimmermann Gesamtausgabe, die seit 2016 das Schaffen dieses theoretisch ebenso reflektierten wie technisch avancierten Komponisten (1918-1970) in einer hybriden historisch-kritischen Edition erschließt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht Tratto (1966/67), Zimmermanns erste ausschließlich elektronische, mit einem Tonband realisierte Komposition. In ihr erkundete er die Möglichkeit, akustisch limitiertes Material, sog. Sinustöne, durch multiple Schichtung in „Schwebung“ zu versetzen und ihren zeitlichen Verlauf durch Veränderung der Abspielgeschwindigkeit zu dehnen, zu raffen und umzukehren.

Der Umstand, dass Tratto nicht als Partitur, sondern ausschließlich in Form des Tonträgers überliefert ist, stellt die Editionswissenschaft vor grundlegende Herausforderungen, deren Reflexion Gegenstand des Workshops sein wird. Darüber hinaus möchten wir mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aber auch praktisch, gestaltend tätig werden und Klänge aus Sinustönen synthetisieren – freilich nicht mehr mit Tonbändern, sondern mit den elektronischen Medien unserer Zeit. Hierfür arbeiten wir mit Medienpädagogen von lev, einer auf elektronische Musik spezialisierten Musikschule in Berlin, zusammen.