Aktuell

Frühjahrsstaffel des Schülerlabors Geisteswissenschaften:

Making of Manifest: 175 Jahre Manifest der kommunistischen Partei

Im Februar dieses Jahres jährt sich die Veröffentlichung des Manifests der Kommunistischen Partei zum 175. Mal. Der 23 Seiten schmale Text ist wie kaum ein anderer von wahrhaft welthistorischer Bedeutung und wurde 2013 in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. In scharfem Gegensatz zu dieser beispiellosen Wirkungs- steht seine Entstehungsgeschichte, die an der Akademie aktuell im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) erschlossen wird. Denn wie diese Forschungen erstmals angemessen profilieren, diente das Manifest ursprünglich der Orientierung einer nur kleinen und klandestin agierenden revolutionären Gruppe, des Bundes der Kommunisten, und spiegelt die oft nur mühsam gelungene Integration widerstreitender Interessen seiner über mehrere europäische Metropolen verstreuten und unterschiedlichen ideologischen Lagern entstammenden Mitglieder.

Die historischen Quellen als Möglichkeitsraum

Das historische Ergebnis dieses sich über nahezu ein Jahr erstreckenden Aushandlungsprozesses ist ein Meisterstück rhetorischer Verve, kompromissloser Argumentation ebenso wie gewiefter Intrige, erscheint jedoch keineswegs zwingend, im Gegenteil: Die Beratungen auf dem ersten und dem zweiten Kongress des Bundes hätten mit ebenso großer Plausibilität in ein Programm christlicher, sozialistischer oder anarchistischer Prägung münden können. Das Schülerlabor leitet aus diesem Befund seinen Handlungsrahmen ab und öffnet die historischen Dokumente der unvoreingenommenen Sichtung, Prüfung und Diskussion durch die Schülerinnen und Schüler: Bedarf es eines utopischen Entwurfs, um einer politischen Bewegung Schwung und Dauer zu verleihen? Muss die Macht durch einen gewaltsamen Umsturz errungen werden, und falls das unumgänglich scheint: Ist es aus taktischen Gründen womöglich klug, ein offenes Bekenntnis zur Revolution dennoch zu vermeiden? Mit diesem Enactment greift das Schülerlabor spielerisch einen Gedanken auf, den das Manifest selbst an einer Stelle aufwirft: Dass unter bestimmten Bedingungen nämlich die Gegenwart über die Vergangenheit entscheidet – und nicht umgekehrt.

Vorbereitung und Ablauf der Veranstaltung

Über die betreuende Lehrkraft erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld unterschiedliche, jeweils didaktisch aufbereitete Auszüge aus den originalen Quellen zur Genese des Manifests, freilich in anonymisierter Form, um dem Hindsight und dem Authority Bias vorzubeugen: Stellungnahmen eines emigrierten Handwerkers oder eines heute nur noch Insidern bekannten Cliquenführers verdienen dabei dieselbe kritische Aufmerksamkeit wie die aus der Feder von Karl Marx und Friedrich Engels.

Die selbständige Erarbeitung der genannten Materialien bildet die Bedingung für die produktive Teilnahme am Workshop, dessen erster Teil der Inszenierung des Entscheidungsprozesses im Bund der Kommunisten gilt. Hier schließen sich die Schülerinnen und Schüler nun zu Kleingruppen zusammen, die die divergierenden weltanschaulichen Lager repräsentieren. Ihr Ziel ist es, die jeweilige Position möglichst gewandt zu vertreten und eine Resolution in ihrem Sinne vorzubereiten.

Das politische Programm, auf das sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer abschließend verständigen, wird im zweiten Teil der Veranstaltung rückgebunden an und abgeglichen mit dem „tatsächlichen“, von Marx und Engels verantworteten Manifest. Mitarbeiter aus dem Team der MEGA geben dabei zugleich einen Einblick in die editorischen, philologischen und historischen Methoden, die erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass Texte wie dieser Gegenstand unseres umfassenden Nachdenkens bleiben.

RLP-Bezüge und Zielgruppen

Ein unmittelbarer inhaltlicher Zusammenhang mit dem Workshop-Thema besteht bei der Abiturprüfung 2024 im Fach Geschichte, wo der Schwerpunkt des 1. Kurshalbjahrs mit „Wandel und Revolutionen in Moderne und Vormoderne: Industrielle Revolution“ bezeichnet ist.

Doch auch für andere Disziplinen lassen sich zwanglos Bezüge zu den „kompetenzorientierten Schwerpunkten“ herstellen. Je nach Gruppengröße und Buchungslage stellen wir gerne auch schul- und fächerübergreifende Teams zusammen.

Veranstaltungsort, -termine und Anmeldung

Die Workshops finden statt im Hauptgebäude der BBAW am Gendarmenmarkt (Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin; U-Bahnhöfe Stadtmitte, Hausvogteiplatz und Unter den Linden).

Veranstaltungsbeginn ist 09.00 Uhr, Veranstaltungsende 13.00 Uhr.

Es stehen folgende Termine zur Wahl:

Dienstag, 18.4.                                Freitag, 5.5.                                      Montag, 22.5.

Montag, 24.4.                                  Montag, 8.5.                                     Donnerstag, 8.6.

Mittwoch, 26.4.                               Mittwoch, 10.5.                                Mittwoch, 14.6.

Mittwoch, 3.5.                                                                

 

Anmeldung ab 6. Februar unter schuelerlabor@bbaw.de